Sei "einfach" du selbst
Wer bist du wirklich?
Wie oft habe ich es schon gehört, diese Unterstellung: „Du magst mich nicht, weil ich zu nett bin“ und: „Frauen stehen halt auf Bad Boys“. Und leider hatte ich nie eine passende Antwort parat, obwohl ich ganz genau wusste, das das nicht stimmte.
Denn obwohl ich die Anziehungskraft zu „Bad Boys“ verstehen kann, machen sie mir gleichzeitig Angst und würde mich nie auf einen Bad Boy einlassen. Hier hilft es wahrscheinlich nochmal klar zu stellen, was "Bad Boys" und "Nice Guys" sind.
Unter Bad Boys verstehe ich meist sehr gut aussehende Männer, die sich durch ein selbstbewusstes Auftreten auszeichnen und die wissen, wie sie sich verhalten müssen, um bei Frauen Eindruck zu hinterlassen. Sie sind „Regelbrecher“, halten sich nicht an gesellschaftliche Normen und machen „ihr (krummes) Ding“.
Bad Boys sind eher nicht monogam, um es mal vorsichtig auszudrücken. Sie kommen mit allerlei schlechtem Verhalten durch und mit Lügen. Doch warum ist das so?
Bad Boys erfüllen bestimmte Vorstellungen von Frauen, die sie sich in ihrem Partner wünschen. Doch es ist nicht wirklich das „Bad“ im Bad boy, was Frauen anspricht.
Tatsächlich tappen viele Frauen in die Falle zu denken, der Bad Boy würde seine negativen Verhaltensweisen für sie aufgeben, sie könnten ihn ändern oder sogar "retten". Spoiler-Alarm: Das passiert nicht. Es ist nicht das Lügen, nicht das Betrügen, es sind nicht die „krummen Dinge“, wie Drogenkonsum oder ähnliches, was Frauen anspricht. Es sind die anderen Seiten des Bad Boys.
Positive Eigenschaften des „Bad Boys“:
Schauen wir uns im nächsten Abschnitt mal den „Nice Guy“ an
Der Nice Guy ist in Filmen derjenige, der immer für die Frau da ist. Er hört sich ihre Sorgen an, unterstützt sie, wo er nur kann und ist einfühlsam.
In Filmen ist er derjenige, der unglücklich verliebt ist in die Frau und insgeheim hofft, dass sie sich für ihn entscheidet, dass sie seinen Wert irgendwann erkennt. Und vor allem, dass sie erkennt, dass er eine viel bessere Wahl ist als „der Bad Boy“ wegen dem sie sich regelmäßig bei ihm ausheult.
Jungs schauen diese Filme und schließen daraus: „Wenn ich nett bin, dann verliere ich.“ "Alles was für Frauen zählt, ist Aussehen.“ „Alle Frauen stehen auf Bad Boys.“
Doch auch damit sind sie auf dem Holzpfad. Schauen wir uns mal an, was „Nice Guys“ auszeichnet, und die Gründe, warum Frauen sie „friendzonen“
Negative Eigenschaften des „Nice Guys“
Wenn man davon ausgeht, dass „nett sein“ eigentlich bedeutet, das man ohne Hintergedanken, einfach aus der Freude heraus etwas für den anderen tut, dann merkt man, dass Nice Guys dieser Definition nicht entsprechen.
Nice Guys sind nett, weil sie dafür im Gegenzug etwas erwarten oder, weil sie sich nicht trauen, "Nein" zu sagen.
Bad Boys sind dahingegen zwar „mies“, machen aber keinen Hehl daraus, wer sie sind und was sie wollen.
Das Kernproblem an der Diskussion „Bad Boys“ vs. „Nice Guys“ ist, dass es die Auswahl auf diese beiden Kategorien beschränkt. Also eine Frau hat nach diese Definition die Wahl zwischen einem Mann, der selbstbewusst ist, für das geht was er möchte und ihr die Illusion von "beschützt werden" gibt, sie dafür aber belügt, betrügt und schlecht behandelt und dem „Nice Guy“, der ihr zuhört, der immer für sie da ist, aber gleichzeitig unehrlich ist, Hintergedanken und versteckten Groll hegt und zu feige ist, um „Nein“ zu sagen oder klare Grenzen zu setzen. Er erfüllt damit das Bedürfnis nach Stabilität nicht.
Beides ist keine gute Wahl und daher die frohe Botschaft: Es gibt auch Männer, die positive Eigenschaften von beiden „Kategorien“ verbinden.
Besser als Bad Boy und Nice Guy sind diese Männer:
Natürlich steht es jedem frei, die Pfade des Nice Guys“ oder „Bad Boys“ zu gehen. In beiden Fällen wird man dann halt entsprechende Erfahrungen machen und ganz spezifische Kategorien an Frauen ansprechen. Der Nice Guy wird wohl oft die Erfahrung machen, dass er in der „Friendzone“ landet oder dass er es mit Frauen zu tun hat, die vielleicht große Angst vor Männern haben und daher nur mit jemandem klarkommen, der den Großteil der klassisch männlichen Eigenschaften in sich „verbannt“ hat.
Bad Boys dagegen werden keine echten, tiefen Beziehungen führen. Es wird stets an der Oberfläche bleiben und damit wird auch die Chance für Weiterentwicklung ausbleiben. Er wird vielleicht Frauen anziehen, die eher negative männliche Vorbilder in ihrem Leben hatten und noch nicht genug an sich gearbeitet haben, um ihr Muster verändern. Sie werden wahrscheinlich viele unschöne Streits und Probleme mit Frauen haben.
Für alle, für die sich beide Optionen nicht sehr verlockend anfühlen, gibt es eine viel erfüllendere Variante: Und zwar die Variante, dass sie sich selbst wirklich kennenlernen. Das Ziel ist Authentizität und sich seiner Schatten bewusst zu werden. Kennst du das Sprichwort: „Man kann anderen nur so tief begegnen, wie man sich selbst begegnet ist“? Es geht also nicht darum, sich bestimmten Vorstellungen zu unterwerfen, mit dem Ziel, bei Frauen gut anzukommen. Es geht darum, alles in sich aufzudecken, was einen daran hindert. Das können negative Vorstellungen von Männlichkeit sein oder ein negatives Bild von Frauen. Es kann sein, dass man eigene Anteile als „schlecht“ abgestempelt hat und unterdrückt. Es kann sein, dass man bestimmte Gefühle in sich unterdrückt.
Das wirklich Attraktivste an einem Menschen, ganz egal, welchen Geschlechts, ist Bewusstsein. Sich selbst seiner Licht-und auch Schattenseiten bewusst zu sein und sich mit all diesen Seiten zu akzeptieren. Dabei meine ich ausdrücklich nicht, dass man seine „negativen“ Seiten in destruktiver Art und Weise auslebt. Zum „Bewusst-Sein“ gehört auch, mit all seinen Seiten einen gesunden Umgang gefunden zu haben. Es kann so zum Beispiel sehr anziehend sein, wenn jemand (ab und an, nicht die ganze Zeit) über seine eher „dunklen“ Seiten sprechen kann.
Es ist eine Scheindiskussion, weil die Prämisse ist, dass es nur diese beiden Kategorien gibt. Beide Optionen sind jedoch weder für den Mann, noch die Frau tatsächlich erfüllend. Wer über diese beiden Kategorien hinauswachsen möchte, der kann sich fragen: „Was mögen Frauen wirklich an Bad Boys“ oder „Welche Eigenschaften sind es, die Frauen an Nice Guys tatsächlich nicht mögen“. Die Welt ist nicht schwarzweiß. Und Verallgemeinerung wie „Alle Frauen stehen auf …“ sind eben auch zu stark vereinfacht. Manchmal glaube ich, diese Scheindiskussionen haben nur ein Ziel: Missgunst zu streuen und Frauen und Männer weiter von einander zu entfernen. Die Lösung ist „Bewusstsein“, ganz werden und hinterfragen: Was ist tatsächlich gemeint?