Stehen Frauen wirklich auf Bad Boys?
Was Bad Boys attraktiv macht
„Sei einfach du selbst!“ Es ist ein Satz, den wir alle immer und immer wieder zu Ohren bekommen. Sei es als gut gemeinter Tipp für ein Bewerbungsgespräch oder auf der Suche nach eine Beziehungen und Freundschaften. Manche werden sich daraufhin schon häufig die Frage gestellt haben „Aber wer bin ich denn überhaupt?“ Eine Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist.
Aufmerksame Menschen werden an sich schon beobachtet haben, dass sie sich teilweise verhalten wie ihre Eltern. Wie ein Automatismus kommen bestimmte Antworten aus dem eigenen Mund und später muss man sich eingestehen, dass dies tatsächlich die Ratschläge und Glaubenssätze der eigenen Eltern widerspiegelten und wenn man ganz ehrlich ist, vielleicht gar nicht wirklich die eigenen.
Genauso ist es mit Glaubenssätzen, die man durch die Gesellschaft eingetrichtert bekommen hat. Sobald wir einen Fuß auf den Planeten Erde setzen, werden wir bombardiert mit Vorstellungen, Ideen und Regeln, die nicht unsere eigenen sind. Sei es durch Eltern, Lehrer, Mitschüler oder auch durch Medien - wir können uns dem Ganzen einfach nicht entziehen.
In der Schule wird uns beigebracht, was „richtig“ und „falsch“ ist. Welches Verhalten gesellschaftlich akzeptabel ist und welches nicht. Bestimmte Gefühle und Verhaltensweisen werden uns abtrainiert: Vor allem der Ausdruck von Wut gilt als unerwünscht und bei Jungs ganz besonders das Weinen.
Wir übernehmen Glaubenssätze, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, wie zum Beispiel: „Du musst hart arbeiten, um Geld zu verdienen“, „Arbeit muss anstrengend sein“, aber auch so etwas wie: „In unserer Familie kämpfen irgendwann alle mit dem Gewicht“, „das ist Veranlagung“
Wie viele von uns laufen mit dem Glaubenssatz herum, dass sie einfach nicht richtig sind und dass sie sich verstellen müssen, um geliebt zu werden? In dem Versuch, Eigenschaften zu verstecken, die wir in uns selbst gelernt haben abzulehnen und Gefühle zu unterdrücken, die wir als „schlecht“ gelabelt haben, legen wir uns eine Persona zu. Alle ungewollten Anteile sperren wir weg, teils bewusst, teils unbewusst. Sie werden verbannt und wir hoffen, dass andere sie nie entdecken werden.
Hier sind die Anteile zwar sichtbar und werden von einem selbst wahrgenommen, sie werden aber aus „Opportunitätsgründen“ versteckt. Man erkennt an, dass man „zwar so ist“, aber sich so lieber nicht in der Öffentlichkeit zeigt.
Hier werden bestimmte Anteile abgelehnt, man schämt sich für sie und bewertet sie. Zum Beispiel aus Sicht der Kompetenz als „lächerlich, erbärmlich, minderwertig, dumm“, aus Sicht der Moral als „verwerflich, fies, unmenschlich“ oder aus Sicht der seelischen Gesundheit als „krankhaft, unnormal, pervers, pathologisch“.
Hier werden Anteile für einen selbst unsichtbar. Man sagt sich: „ so bin ich nicht!“. Diese Anteile sind abgelehnt und treten nur noch in Ausnahmesituationen offensichtlich zu Tage. Da sie dennoch existieren, wirken sie im Untergrund und blockieren und sabotieren einen, ohne dass man versteht, woher diese Blockaden kommen.
Der Preis, den wir für verbannte Anteile zahlen ist groß. Anteile von uns abzulehnen bedeutet, dass wir uns unvollständig und nur halb lebendig fühlen. Und nicht nur das. Alle Anteile, die wir in uns nicht sehen wollen, projizieren wir nach außen. Eine Erklärung dafür, warum jemand zum Beispiel „Menschen, die sich dauernd in den Mittelpunkt drängen“ total nervig" findet (und dabei nicht merkt, dass er diese Eigenschaft selbst hat oder in sich unterdrückt.)
Momente, in denen sie ganz und gar sie selbst waren, sind für viele Menschen kostbare Erinnerungen, die sich nicht vergessen.
Der eine Moment, indem man endlich für seine Wahrheit aufgestanden ist, endlich etwas gesagt hat, das schon lange überfällig war. Dieser Moment, indem eine riesige Last von einem gefallen ist. Der Moment, in dem man endlich diese eine klärende Gespräch hatte. Der Moment, in dem man sich endlich erlaubt hat, seine Wut oder Trauer zuzulassen.
Ich denke, jeder Mensch hat diese Momente erlebt, in denen er sich wirklich lebendig gefühlt hat. Den Momenten, in denen er seinen eigenen Impulsen gefolgt ist und mal für kurze Zeit ignoriert hat, was die Gesellschaft für richtig hält.
Diese Momente sind Wegweiser. Sie sind kleine Sneak-Peaks, wie sich ein Leben in Authentizität anfühlen kann. Ein Leben in dem man „einfach man selbst“ ist.

Vielleicht haben wir an uns beobachtet, dass wir zu Wutausbrüchen neigen, die uns große Schwierigkeiten machen und daher angefangen, uns zu verstellen. Oder wir haben immer wieder erlebt, dass wir unsere Tränen auch Fremden gegenüber nicht zurückhalten konnten und haben uns bloßgestellt und schwach gefühlt.
Unser Lösung war es, diese Gefühle zu verdrängen, hinter schweren Gittertüren zu verschließen.
Doch ist das der Weg?
Extreme Gefühlsausbrüche deuten daraufhin, dass etwas im Verborgenen liegt, was ans Licht möchte. Extreme Gefühlsausbrüche bedeuten, dass man ein bestimmtes Gefühl so lange unterdrückt hat, bis sich so viel angestaut hat, dass es wie ein Vulkan aus einem herausgebrochen ist. Statt sich zu verurteilen und zu versuchen, Situationen zu vermeiden, die diese Gefühle triggern und sie weiterhin wegzusperren, ist es nötig, die Situation zu analysieren.
Deine Gefühle sind Botschaften und sie sind nicht grundlos da. Sie wollen gesehen und gefühlt werden. Sie sind dazu da, dich dazu zu zwingen, ehrlich zu dir zu sein.
Welche Situation macht dich wütend oder traurig, obwohl dir von außen eingeredet wird „Das das okay ist und dass du zu empfindlich bist?“. Welches Verhalten verletzt dich so sehr, obwohl die entsprechende Person dir versucht weiszumachen, dass du das Problem bist? Mit welchen gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten kommst du einfach nicht klar, auch wenn du der Einzige zu sein scheinst, der das so sieht?
Wut- und Tränenausbrüche werden nicht abtrainiert - um diese nicht mehr erleben zu müssen, gilt es, die Ursache dafür zu finden und anzufangen, ehrlich zu sich selbst zu sein.
Die allermeisten Menschen haben momentan Probleme damit, sie selbst zu sein. Und ich denke, es ist tatsächlich die wichtigste Aufgabe des Menschen, zu seinem authentischen Selbst zurück zu finden. All die Verhaltensweisen abzulegen, die man sich nur zum Schutz zugelegt hat und die gar nicht mehr nötig sind. All die Überzeugungen abzulegen, die man unhinterfragt von anderen übernommen hat. All die Glaubenssätze loszulassen, die dir einreden wollen, dass man nicht gut genug ist oder einfach kaputt- denn es stimmt nicht.
Wir brauchen Menschen, die wieder mit ihrem Kern - ihrer Seele - verbunden sind. Den abgeschnitten zu sein von seiner Seele und seinem Potential bedeutet, man ist schwach und leicht manipulierbar. Genau das ist nicht nur kein wünschenswerter Zustand für jeden Einzelnen - es ist auch für die Gesellschaft wichtig. Je mehr Menschen an sich glauben und an ihrer Visionen, je mehr Menschen sich für das einsetzen, was sie in ihrem Herzen als richtige empfinden, desto mehr Hoffnung gibt es.
Man selbst zu sein fühlt sich einfach großartig an. Und mit jedem Schritt in diese Richtung, wird dein Leben um ein Vielfaches farbiger, schöner und spannender. Also: Sei einfach du selbst.